Wie Unternehmen Risiken
objektiv bewerten und priorisieren
In vielen Organisationen werden Risiken diskutiert – aber wie entscheidet man, welche am dringendsten behandelt werden müssen? Die Risikoprioritätszahl, kurz RPZ, liefert dafür eine objektive Bewertungsgrundlage. Sie wird im Rahmen der FMEA (Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse) eingesetzt und ermöglicht es, potenzielle Fehler systematisch nach ihrer Dringlichkeit zu ordnen. Die RPZ kombiniert drei Faktoren: Wie wahrscheinlich ein Fehler auftritt, wie schwerwiegend seine Folgen sind und wie gut er rechtzeitig erkannt werden kann. Durch die Multiplikation dieser Werte entsteht eine Zahl, die zur Priorisierung dient. Je höher die RPZ, desto dringlicher ist Handlungsbedarf.
Woraus setzt sich
die RPZ zusammen?
Die RPZ basiert auf drei Kriterien, die jeweils mit einer Skala (meist von 1 bis 10) bewertet werden:
Auftretenswahrscheinlichkeit (O)
Wie häufig ist mit dem Auftreten des Fehlers zu rechnen?
Bedeutung der Auswirkung (B)
Wie gravierend wären die Folgen, wenn der Fehler auftritt
Entdeckungswahrscheinlichkeit (E)
Wie wahrscheinlich ist es, dass der Fehler vor Eintritt entdeckt wird?
Die RPZ berechnet sich nach der Formel: RPZ = O × B × E
Ein Beispiel: Ein möglicher Fehler in einem Bauteil wird wie folgt bewertet:
• O = 6 (tritt gelegentlich auf)
• B = 8 (hat schwerwiegende Folgen)
• E = 5 (mittlere Wahrscheinlichkeit der Entdeckung)
→ RPZ = 6 × 8 × 5 = 240
Je höher diese Zahl, desto höher die Priorität für Maßnahmen.
Was sagt die RPZ aus?
Die RPZ liefert eine Grundlage zur Priorisierung von Risiken. Fehler mit hoher RPZ sollten zuerst behandelt werden, da sie entweder sehr wahrscheinlich sind, erhebliche Auswirkungen haben oder schwer zu erkennen sind – oder eine Kombination davon. In der Praxis wird oft mit Schwellenwerten gearbeitet, etwa:
• RPZ < 100: akzeptabel, keine unmittelbare Maßnahme notwendig
• RPZ 100–200: mittleres Risiko, Maßnahmen empfohlen
• RPZ > 200: hohes Risiko, Maßnahmen dringend erforderlich
Wichtig ist: Die RPZ ist ein Werkzeug zur Orientierung – sie ersetzt nicht das kritische Denken. Ein Fehler mit niedriger RPZ kann dennoch behandelt werden, wenn seine Auswirkungen besonders kritisch sind (z. B. sicherheitsrelevant).
Typische Fehler im
Umgang mit der RPZ
- Subjektive Bewertung – Ohne einheitliche Skalen werden Risiken unterschiedlich eingeschätzt.
- Fokus nur auf hohe RPZ – Niedrige Werte werden ignoriert, obwohl sie relevant sein könnten.
- RPZ als statischer Wert – Veränderungen durch Maßnahmen werden nicht berücksichtigt oder nachgeprüft.
Besser ist es, die RPZ regelmäßig neu zu berechnen und mit jedem Verbesserungsprozess zu aktualisieren.
Praxisbeispiel: RPZ
in der Qualitätssicherung
Ein Maschinenbauer entdeckt im Rahmen einer FMEA, dass ein bestimmter Sensor bei Feuchtigkeit ausfallen könnte. Die Bewertung ergibt:
• O = 5, B = 9, E = 7 → RPZ = 315
Da der Fehler selten erkannt wird und erhebliche Sicherheitsrisiken birgt, wird das Bauteil durch ein besser geschütztes Modell ersetzt. Nach Umsetzung sinkt die RPZ auf 90 – ein klarer Erfolg der Risikoanalyse.
Warum die RPZ ein
zentrales Element der
Risikobewertung ist
Die Risikoprioritätszahl bringt Systematik und Nachvollziehbarkeit in komplexe Entscheidungen. Sie hilft Teams, sich auf die wirklich kritischen Schwachstellen zu konzentrieren, Ressourcen gezielt einzusetzen und Qualität sowie Sicherheit nachhaltig zu verbessern. Richtig angewendet, ist sie ein kraftvolles Werkzeug für jede Organisation – besonders in Kombination mit der FMEA.