RISK SHIFTING
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Finanzmärkte Moral Hazard Risikomanagement RISK SHIFTING

RISK SHIFTING

Risk Shifting beschreibt das bewusste Verlagern von Risiken von einer Partei auf eine andere. Der Begriff stammt ursprünglich aus der Finanz- und Versicherungswelt, wird aber auch in anderen wirtschaftlichen Zusammenhängen genutzt – etwa in Verträgen, Lieferketten oder Projekten. Ziel ist es, Risiken dort zu platzieren, wo sie am besten kontrolliert oder getragen werden können – oder, weniger positiv formuliert, sie strategisch „loszuwerden“.

Wie
funktioniert Risk Shifting?


Risk Shifting kann auf verschiedene Weise erfolgen. In der Versicherungsbranche spricht man davon, wenn Unternehmen Risiken – etwa Naturkatastrophen oder Produkthaftung – an Versicherer abgeben. In Projekten kann das Risiko über Vertragsklauseln auf Subunternehmen übertragen werden. Auch Banken betreiben Risk Shifting, indem sie riskante Kreditverträge an andere Marktteilnehmer weitergeben.

Ein klassisches Beispiel ist die Einführung von Boni-Modellen mit Rückversicherung: Mitarbeitende profitieren von kurzfristigem Erfolg, während langfristige Risiken (etwa im Falle von Verlusten oder Rückzahlungen) beim Unternehmen verbleiben – oder umgekehrt.

Typische
Anwendungsfelder


  • Versicherungen: Abgabe von Risiken an Rückversicherer oder andere Finanzakteure
  • Finanzwesen: Auslagerung von Kreditrisiken durch Verbriefung (z. B. vor der Finanzkrise 2008)
  • Projektmanagement: Vertragsgestaltung zur Risikoverlagerung auf Auftragnehmer oder Dienstleister
  • Unternehmensführung: Boni- und Beteiligungsmodelle, bei denen Erfolg belohnt und Risiko auf andere verteilt wird

Chancen und
Risiken von Risk Shifting


Risk Shifting kann sinnvoll sein, wenn Risiken dort verortet werden, wo sie besser gemanagt werden können – zum Beispiel bei spezialisierten Partnern. Es kann zur Risikoreduzierung im eigenen Unternehmen beitragen und die Planbarkeit verbessern.

Gleichzeitig kann Risk Shifting aber auch gefährlich werden. Wenn Risiken systematisch ausgeblendet oder intransparent verteilt werden, entstehen moralische Fehlanreize. Besonders kritisch ist es, wenn Entscheidungsträger nicht selbst für die Konsequenzen ihres Handelns einstehen müssen – das kann zu riskantem Verhalten („Moral Hazard“) führen.

Praxisbeispiel:
Risk Shifting in der Bauwirtschaft


Ein Bauunternehmen vergibt einen Großteil der Arbeiten an Subunternehmen und verpflichtet diese vertraglich zur Übernahme sämtlicher Risiken für Verzögerungen oder Mängel. Das Hauptunternehmen sichert sich so weitgehend gegen operative Risiken ab. Gleichzeitig entstehen neue Risiken: Wenn Subunternehmen unter Druck geraten oder ausfallen, kann das gesamte Projekt gefährdet sein.

Warum
Risk Shifting strategisch durchdacht sein muss


Risk Shifting ist kein Freifahrtschein zur Risikovermeidung. Es braucht klare Regeln, Transparenz und ethische Standards. Wer Risiken verantwortungsvoll managen will, sollte genau prüfen, welche Partei sie tatsächlich tragen kann – fachlich, wirtschaftlich und ethisch. Nur so bleibt Risk Shifting ein nützliches Instrument zur Stabilisierung – und wird nicht zum Treiber neuer Unsicherheiten.

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