Das Parkinsonsche Gesetz beschreibt eine verblüffende Beobachtung aus dem Büroalltag: „Arbeit dehnt sich genau in dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ Anders gesagt – wer mehr Zeit für eine Aufgabe einplant, braucht oft auch mehr Zeit, obwohl die Aufgabe nicht zwingend komplexer ist. Dieses Prinzip geht auf den britischen Historiker Cyril Northcote Parkinson zurück, der es 1955 erstmals veröffentlichte.
Was als ironischer Kommentar auf Verwaltungsapparate begann, ist heute ein ernstzunehmendes Phänomen im Zeit- und Selbstmanagement. Besonders in Organisationen mit starren Abläufen und langen Fristen zeigt sich, wie ineffizient Prozesse werden können, wenn keine klaren zeitlichen Grenzen gesetzt werden.
Warum Arbeit
sich künstlich ausdehnt
Das Parkinsonsche Gesetz zeigt, dass Menschen dazu neigen, den verfügbaren Zeitraum auszuschöpfen – unabhängig davon, ob er notwendig ist. Gründe dafür können sein:
- Fehlende Priorisierung – Aufgaben werden nicht nach Wichtigkeit, sondern nach vorhandener Zeit behandelt.
- Perfektionismus – Mehr Zeit führt zu mehr Überarbeitung, selbst wenn das Ergebnis bereits ausreicht.
- Prokrastination – Je weiter die Deadline entfernt ist, desto eher wird der Start aufgeschoben.
- Selbstbeschäftigung – Arbeit wird künstlich verlängert, um beschäftigt zu wirken oder weil Prozesse unklar sind.
Praktische
Auswirkungen im Arbeitsalltag
In vielen Unternehmen führt das Parkinsonsche Gesetz zu Zeitverschwendung und sinkender Effizienz. Meetings dauern zu lange, weil kein klares Ende gesetzt wurde. Projekte ziehen sich, obwohl sie schneller abgeschlossen werden könnten. Mitarbeitende verbringen mehr Zeit mit Aufgaben, weil keine straffen Zeitvorgaben existieren.
Besonders in Projekten mit flexiblen Deadlines ist das Risiko groß, dass Aufgaben unnötig verkompliziert oder immer wieder verschoben werden. Dadurch steigen Kosten und Ressourcen werden ineffizient eingesetzt.
Wie man das
Parkinsonsche Gesetz umgeht
Mit klaren Strukturen lässt sich der Effekt gezielt vermeiden. Einige Strategien sind:
- Feste Deadlines setzen – auch bei kleinen Aufgaben.
- Timeboxing – Aufgaben werden bewusst auf ein konkretes Zeitfenster begrenzt.
- Aufgaben klar definieren – Je genauer die Aufgabe, desto effizienter die Umsetzung.
- Regelmäßige Reflexion – Ist der Zeitaufwand für bestimmte Aufgaben gerechtfertigt?
Wer Aufgaben mit bewusstem Zeitdruck versieht, steigert häufig nicht nur die Geschwindigkeit, sondern auch die Konzentration. Begrenzte Zeit zwingt dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und unnötige Schleifen zu vermeiden.
Praxisbeispiel:
Zeitmanagement im Projektteam
Ein Projektteam plant die Erstellung eines Reports und veranschlagt dafür zwei Wochen. Als Test wird ein zweites Team mit der gleichen Aufgabe beauftragt – allerdings mit einer Frist von fünf Tagen. Ergebnis: Beide liefern vergleichbare Qualität. Das Team mit weniger Zeit arbeitete fokussierter, traf schnellere Entscheidungen und verzichtete auf unnötige Abstimmungsrunden.
Warum das Parkinsonsche
Gesetz nicht ignoriert werden sollte
Das Parkinsonsche Gesetz erinnert uns daran, dass Zeitplanung ein zentraler Faktor für Produktivität ist. Wer sich bewusst Grenzen setzt, arbeitet effizienter, konzentrierter und zielgerichteter. Besonders in Zeiten von New Work und agilen Methoden ist es entscheidend, Ressourcen sinnvoll zu nutzen – und nicht allein durch lange Fristen zu verlangsamen.