Wie du Risiken
systematisch erkennst
und Fehler verhinderst
In vielen Unternehmen werden Probleme erst dann sichtbar, wenn sie bereits Kosten verursachen oder Kundenzufriedenheit gefährden. Die FMEA – kurz für „Fehlermöglichkeits- und -einflussanalyse“ – ist eine strukturierte Methode, mit der sich Risiken systematisch erkennen und minimieren lassen. Ursprünglich aus der Luft- und Raumfahrt stammend, wird sie heute vor allem in Industrie, Medizintechnik und Qualitätsmanagement eingesetzt, um Fehlern zuvorzukommen statt ihnen nur hinterherzulaufen. Ziel der FMEA ist es, mögliche Fehlerquellen in Produkten, Prozessen oder Systemen frühzeitig zu identifizieren, deren Auswirkungen zu bewerten und geeignete Maßnahmen zur Risikominimierung abzuleiten. So lassen sich Entwicklungskosten senken, Rückrufaktionen vermeiden und Sicherheitsstandards erhöhen.
Was macht die
FMEA so wirkungsvoll?
Die FMEA schafft Transparenz über potenzielle Schwachstellen – bevor es zu tatsächlichen Fehlern kommt. Das Besondere ist ihr präventiver Charakter: Sie setzt nicht erst bei aufgetretenen Problemen an, sondern prüft bereits in der Planung, wo Risiken liegen könnten. Dabei betrachtet sie sowohl technische Schwachpunkte als auch menschliche und organisatorische Einflussfaktoren. Die Methode wird besonders eingesetzt in:
- Produktentwicklung – zur Fehlervermeidung vor Serienstart
- Prozessoptimierung – zur Reduktion von Qualitätsschwankungen
- Sicherheitsmanagement – zur Absicherung kritischer Systeme
Ablauf der
FMEA in der Praxis
Die FMEA folgt einem strukturierten Ablauf mit mehreren Schritten:
-
Analyse des Produkts oder Prozesses
Welche Komponenten oder Abläufe sind kritisch? -
Fehlermöglichkeiten erfassen
Was kann schiefgehen? (Failure Modes) -
Auswirkungen bewerten
Welche Folgen hätte der Fehler für Kunden, Nutzer oder interne Abläufe -
Fehlerursachen identifizieren
Warum könnte der Fehler auftreten? -
Risikobewertung mit RPZ
Jeder potenzielle Fehler wird bewertet anhand von:
- Auftretenswahrscheinlichkeit (O)
- Bedeutung der Auswirkung (B)
- Entdeckungswahrscheinlichkeit (E)
Die Risikoprioritätszahl (RPZ) berechnet sich als:
RPZ = O × B × E -
Maßnahmen ableiten
Was kann konkret getan werden, um Risiko zu vermeiden oder zu minimieren? -
Wirkungskontrolle
Haben sich die Risiken nach Umsetzung der Maßnahmen reduziert?
Typische Fehler
bei der Anwendung
- Die Analyse ist zu grob – wichtige Details bleiben unberücksichtigt.
- Nur bekannte Probleme werden berücksichtigt – neue Risiken bleiben verborgen.
- Maßnahmen werden nicht konsequent umgesetzt oder nachverfolgt.
Praxisbeispiel:
FMEA im Automobilbau
Ein Automobilhersteller plant ein neues Bremssystem. Mithilfe einer FMEA wird frühzeitig erkannt, dass ein bestimmter Sensor bei starker Hitze ausfallen könnte. Noch vor Serienstart wird die Materialwahl angepasst – ein möglicher Rückruf wird damit verhindert. Das zeigt: Mit einer systematischen Risikoanalyse lassen sich teure Fehler vermeiden, bevor sie auftreten.
Warum FMEA Teil jeder
nachhaltigen Strategie sein sollte
Die FMEA ist weit mehr als nur ein Werkzeug zur Fehlervermeidung. Richtig eingesetzt, wird sie zu einem zentralen Bestandteil jeder Qualitätsstrategie. Sie fördert eine proaktive Fehlerkultur, unterstützt Zertifizierungen und steigert die Kundenzufriedenheit. Vor allem in agilen und lean-orientierten Unternehmen ist sie ein effektives Mittel, um Komplexität beherrschbar zu machen und Risiken dort zu adressieren, wo sie entstehen.