Die Earned Value Analyse (EVA) ist ein wirkungsvolles Instrument im Projektcontrolling. Sie verknüpft Zeit, Kosten und Leistung zu einem ganzheitlichen Blick auf den Projektfortschritt. Anders als klassische Methoden, die nur auf Budget oder Zeitplan schauen, zeigt EVA, ob ein Projekt wirklich im Plan liegt – und zwar anhand von messbaren Ergebnissen. Die Methode wird in vielen Bereichen eingesetzt, vom Bauwesen über IT-Projekte bis hin zu komplexen Industrievorhaben. Sie hilft dabei, frühzeitig Abweichungen zu erkennen und gezielt gegenzusteuern.
Was ist die
Earned Value Analyse?
Die Earned Value Analyse misst, wie viel „Wert“ ein Projekt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt tatsächlich erwirtschaftet hat – also welchen Anteil der geplanten Leistungen es bereits real erbracht hat. Dazu werden drei zentrale Kennzahlen berechnet:
- Plankosten (PV = Planned Value): Das geplante Budget für die bis jetzt vorgesehenen Arbeiten.
- Istkosten (AC = Actual Cost): Die tatsächlich angefallenen Kosten für die erledigte Arbeit.
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Fertigstellungswert (EV = Earned Value): Der monetäre Wert der tatsächlich erbrachten Leistung – also: Was ist die geleistete Arbeit wert?
Was bringt die
Methode konkret?
Die Analyse ermöglicht zwei wichtige Aussagen:
- Liegen wir im Kostenrahmen?
- Sind wir im Zeitplan?
Dazu werden zwei zentrale Abweichungen berechnet:
- Kostenabweichung (CV = Cost Variance): CV = EV − AC → Ist die geleistete Arbeit günstiger oder teurer als geplant?
- Terminabweichung (SV = Schedule Variance): SV = EV − PV → Wurde mehr oder weniger geleistet, als zum jetzigen Zeitpunkt vorgesehen?
Diese Werte helfen, den Projektstatus objektiv zu beurteilen und realistisch zu prognostizieren, wie sich das Projekt weiterentwickelt.
Einfaches Praxisbeispiel
Ein IT-Projekt hat ein Gesamtbudget von 100.000 Euro. Nach einem Monat sollten laut Plan 40 % abgeschlossen sein – also 40.000 Euro (PV). Tatsächlich wurden bisher 30 % der Arbeit erledigt – das entspricht 30.000 Euro Earned Value (EV). Die bisherigen Ausgaben liegen bei 35.000 Euro (AC).
Die Analyse ergibt:
- Terminabweichung: 30.000 − 40.000 = −10.000 → Das Projekt hinkt hinterher.
- Kostenabweichung: 30.000 − 35.000 = −5.000 → Es wurde mehr ausgegeben als der Wert der geleisteten Arbeit.
Das Projekt ist also sowohl im Verzug als auch teurer als geplant.
Stärken und
Schwächen der EVA
- Objektive Bewertung des Projektfortschritts
- Frühes Erkennen von Abweichungen
- Klare Entscheidungsgrundlage für Korrekturmaßnahmen
Allerdings: Die Methode setzt eine gute Datengrundlage voraus. Wenn der Fertigstellungsgrad nur geschätzt wird, kann die Aussagekraft leiden. Außerdem ist die EVA eher für mittlere bis große Projekte geeignet, bei denen Leistung und Budget exakt geplant und dokumentiert sind.
Warum du die
Earned Value Analyse
kennen solltest
Wer Projekte steuert, braucht Werkzeuge, die über reine Intuition hinausgehen. Die Earned Value Analyse liefert genau das: Ein datenbasiertes Frühwarnsystem für Zeit- und Kostenabweichungen. Richtig eingesetzt, hilft sie dir, Projekte transparenter zu führen – und mit mehr Sicherheit zum Erfolg zu bringen.